Bodo Hornig

Psychologie der Anleger (2): Die Angst vor dem Verlust

Die Theorie der „Risk Aversion“ (im übertragenen Sinne: Angst vor dem Verlust) beschreibt das menschliche Verhalten, Verluste mehr zu hassen, als Gewinne zu lieben. Ein Beispiel: Eine Münze wird geworfen. Bei Kopf gewinnen Sie 100 Euro, bei Zahl verlieren Sie 100 Euro. Eine durchaus gerechte Chancenverteilung. Die meisten Menschen akzeptieren so ein Glücksspiel allerdings nicht. Erst wenn der Gewinn verdoppelt wird, der mögliche Verlust aber gleich bleibt, steigt die Teilnahme deutlich. Das zeigt, dass wir Verluste circa doppelt so stark bewerten wie Gewinne.

Das führt zu Problemen bei der Geldanlage: Wir tendieren dazu, verlustreiche Investments zu lange zu halten und profitreiche Anlagen zu schnell zu verkaufen. Testen Sie sich selbst. Sie haben zwei Fonds à € 1.000 Wert im Depot. Sie benötigen kurzfristig € 1.000 Bargeld. Ein Fonds ist momentan 10 Prozent im Plus, einer 10 Prozent im Minus. Realisieren Sie den Gewinn oder den Verlust?